Neue OECD-Prüfrichtlinie zu Nanomaterialien: Uni Wien maßgeblich beteiligt
Die OECD (Organisation of Economic Cooperation and Development) hat eine neue Prüfrichtlinie zur Risikobewertung von Nanomaterialien veröffentlicht, mit der die Löslichkeit und Auflösungsrate von Nanomaterialien unter realistischen Umweltbedingungen bestimmt werden.
Die jetzt verabschiedete Prüfrichtlinie wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes und unter Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit von Frank von der Kammer und Team am Department für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien entwickelt. Unter Federführung des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und angewandte Ökologie IME wurde die Prüfrichtlinie zudem in einem internationalen Laborvergleichstest validiert.
Einordnung und Bedeutung
Nanomaterialien verhalten sich in der Umwelt anders als klassische Chemikalien. Ob sie in Wasser fein verteilt bleiben, sich rasch auflösen oder chemisch verändern, bestimmt ihr Schicksal in Böden, Gewässern und Organismen – und damit mögliche Risiken. Die neue Standardmethode liefert belastbare Daten zur Auflösungsrate und schließt eine zentrale Lücke in den bisher vorwiegend für organische Chemikalien ausgelegten OECD-Methoden.
Diese Daten sind zugleich Schlüssel für die Umsetzung der EU-Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals). REACH legt fest, welche Informationen Hersteller und Importeure bereitstellen müssen, um die Sicherheit von Stoffen, einschließlich Nanomaterialien, zu belegen. „Mit der nun vorliegenden, international harmonisierten Vorgehensweise erhalten Behörden, Industrie und Forschung ein praxistaugliches Instrument, um zu entscheiden, ob eine nanomaterialspezifische Umweltbewertung erforderlich ist und wie sichere Anwendungen gestaltet werden können“, erklärt ECH-Co-Direktor Thilo Hofmann vom Department für Umweltgeowissenschaften der Universität Wien.
Zusätzliche Informationen
- Die neue Prüfrichtlinie Nr. 322 ist auf den Seiten der OECD-Richtlinien zur Prüfung von Chemikalien zu finden: Test No. 322: Determination of the Solubility and Dissolution Rate of Nanomaterials for Environmental Fate Assessment.
- Lesen Sie den Projektbericht mit weitergehenden Informationen.