Der ECH im Klimamonat April: Zwischen Konferenz, Publikum und Spiel
Im April zeigte der Environment and Climate Research Hub (ECH) der Universität Wien einmal mehr, was ihn als inter- und transdisziplinären Forschungsverbund auszeichnet: Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung werden hier nicht nur erforscht, sondern konsequent in unterschiedliche gesellschaftliche Räume getragen.
Im April zeigte der Environment and Climate Research Hub (ECH) der Universität Wien einmal mehr, was ihn als inter- und transdisziplinären Forschungsverbund auszeichnet: Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltverschmutzung werden hier nicht nur erforscht, sondern konsequent in unterschiedliche gesellschaftliche Räume getragen. Der ECH war im sogenannten „Klimamonat der Universität Wien“ an mehreren Orten gleichzeitig präsent: in Konferenzsälen, im Stadtraum, im Botanischen Garten und bei der Langen Nacht der Forschung der Universität Wien. Outreach ist dabei für den ECH kein Begleitprogramm, sondern Teil seines Auftrags und seiner Arbeitsweise: Forschung soll anschlussfähig werden, ohne an Komplexität zu verlieren.
Wenn der Klimamonat es ernst meint, aber nicht trocken werden will
Der Klimamonat der Universität Wien begann mit einem der zentralen wissenschaftlichen Treffpunkte des Jahres: dem 26. Österreichischen Klimatag. Drei Tage lang traf sich die nationale Klimaforschungscommunity an der Universität Wien mit klarer Rückendeckung aus dem ECH, der im Hintergrund wesentlich dazu beigetragen hatte, die Tagung wieder an die Universität Wien zu holen.
Das Motto „Brücken bauen – vom Wissen zum Wandel“ klang dabei weniger nach Tagungssprache als nach Arbeitsauftrag. ECH-Co-Direktor Thilo Hofmann brachte es auf den Punkt:
„Aus wissenschaftlicher Sicht wissen wir längst, wohin die Reise gehen muss. Entscheidend ist jedoch, dieses Wissen in Politik und Gesellschaft zu bringen, um gemeinsam tragfähige und gerechte Lösungen zu entwickeln. Kommunikation und Austausch sind dabei zentral und genau diese Brücken müssen wir bauen.“
Zwischen Keynotes, Panels und Stadtraum-Formaten wie dem Climate Walk wurde deutlich: Klimaforschung geht längst über reinen Erkenntnisgewinn hinaus, es handelt sich bei ihr viel mehr um ein permanentes Übersetzungsprojekt zwischen Disziplinen, Interessen und Realitäten.
Lange Nacht der Forschung: Wenn 12.000 Menschen gleichzeitig neugierig werden
Noch eine Spur öffentlicher wurde es bei der Langen Nacht der Forschung, bei der die Universität Wien an fünf Standorten ihre Türen öffnete. Mehr als 12.000 Besucher*innen kamen, um sich Wissenschaft nicht nur erklären zu lassen, sondern ihr direkt zu begegnen.
Der ECH war dabei besonders sichtbar im Hauptgebäude der Uni Wien vertreten, das sich in eine interaktive Wissenschaftslandschaft verwandelte. Am zentralen ECH-Stand, der mit dem Thema „Unsere Meere“ an den Start ging, entpuppte sich das neu entwickelte Spiel des ECH zum gleichen Thema schnell als Publikumsmagnet: Hier konnten die Spieler*innen erleben, wie die Zusammenarbeit zwischen Disziplinen neues Wissen und damit auch Lösungsansätze hervorbringt.
Im Hauptgebäude und an anderen Standorten der Universität waren ECH-Mitglieder parallel aktiv: Mit Vorträgen, Experimenten und Diskussionen, die das Spektrum von Klimakommunikation über Ökologie bis zu politischen Emotionen abdeckten.
Timo Bühler, Koordinator beim ECH und als solcher maßgeblich verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung der gesamten Outreach- und Veranstaltungsaktivitäten, hat auch die Idee für das interaktive Spiel entwickelt. „Ziel ist es“, so Bühler, „Komplexität rund um Biodiversität, Meeresschutz und gesellschaftliches Handeln nicht zu reduzieren, sondern unmittelbar erfahrbar zu machen.“ Und Entscheidungen sollten so gestaltet werden, dass ihre Konsequenzen sichtbar werden: „Wer mitspielt, merkt schnell, dass es keine einfachen Optionen für die aktuellen Herausforderungen gibt. Wer jedoch interdisziplinär denkt und handelt, hat die besseren Karten“, so Bühler.
Raritätenbörse: Biodiversität, aber bitte mit Perspektivwechsel
Im Botanischen Garten der Universität Wien, einige Tage zuvor: Während der Raritätenbörse – einer jährlichen Veranstaltung, die Pflanzenliebhabern die Möglichkeit bietet, besondere Exemplare zu erwerben – bewies das ECH einmal mehr, dass Wissenschaftskommunikation auch fernab vom Hörsaal hervorragend funktionieren kann.
Auch hier war der ECH mit seinem Spiel präsent – dieses Mal mit Fokus auf Biodiversität – und setzte auf einen ähnlichen Ansatz wie bei der Langen Nacht der Forschung: Besucher*innen schlüpften in die Rolle von Forschenden unterschiedlicher Disziplinen und konnten durch das kluge Kombinieren von Perspektiven und Methoden dazu beitragen, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei mussten sie Entscheidungen treffen, die ökologische Zusammenhänge plötzlich sehr konkret machten. Das Spiel zeigt: Was im ersten Moment spielerisch wirkt, entfaltet schnell eine ernsthafte Dynamik: Biodiversität zu schützen ist kein Thema der reinen Naturbeobachtung, sondern der Abwägung verschiedener Optionen und inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit.
Wie Lena Schmidlechner, Mitentwicklerin des Spiels im ECH, erklärt, ist das Konzept bewusst flexibel angelegt: „Die Spieloberfläche ist austauschbar gestaltet, sodass sich unterschiedliche Themenwelten abbilden lassen – vom Meeresschutz über Biodiversität bis hin zu weiteren Umweltfragen.“ Diese Flexibilität sei zentral, ergänzt Timo Bühler, da das Spiel künftig bei unterschiedlichen Events und Zielgruppen in ganz Österreich eingesetzt werden solle.
LCOY: Die nächste Generation bringt sich ein
Mit der LCOY Austria, der nationalen Jugendumweltkonferenz, stand im April auch die Perspektive junger Menschen auf Klima- und Nachhaltigkeitsfragen im Mittelpunkt. In Workshops, Diskussionen und einem gemeinsamen Youth Statement zeigten die Teilnehmenden eindrucksvoll, mit welchem Engagement sie die gesellschaftliche Debatte mitgestalten.
Für den ECH war die LCOY ein weiterer Baustein im Outreach-Mosaik des Monats: zentral für den Anspruch, die Universität Wien als Ort für den systematischen Austausch unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zu öffnen.
Outreach auf mehreren Ebenen und mit System
Was den April rückblickend besonders macht, ist weniger die Anzahl der Veranstaltungen als deren Verzahnung. Der ECH agierte nicht punktuell, sondern entlang verschiedener Kommunikations- und Beteiligungsebenen: von der Fachcommunity bis in die breite Öffentlichkeit und durch verschiedene Altersgruppen hindurch.
Sabine Pahl, ECH-Co-Direktorin, betont die Bedeutung solcher mehrschichtigen Formate, in denen viel mehr als wissenschaftliche Fakten vermittelt würden. „Gemeinsam mit unterschiedlichen Gruppen zu reflektieren und die Bedeutsamkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verstehen, mit Herz und Verstand greifbar zu machen”, so Pahl. Genau darin liege die Stärke aktueller Klimakommunikation: im Öffnen von Räumen für Austausch, Perspektivenvielfalt, Hoffnung und Zukunftsorientierung.
„Es ist großartig zu sehen, dass Wissenschaftsvermittlung auf sehr unterschiedlichen Ebenen und für unterschiedliche Zielgruppen gleichzeitig funktionieren kann: im Hörsaal, im Garten, im Stadtraum und im Spiel“, zieht Nora Gau, Kommunikationsverantwortliche im ECH-Team, ein positives Fazit des Monats. Gerade die Breite sei entscheidend, weil so auch junge Zielgruppen früh erreicht würden, nämlich „diejenigen, die die Entscheidungen von morgen treffen werden“.
Ein Monat, der mehr war als Programm
Der Klimamonat April hat gezeigt, wie konsequent der Environment and Climate Research Hub seine Rolle versteht: nicht als wissenschaftliches Zentrum im klassischen Sinn, sondern als Organisation, die Forschung in Bewegung und Austausch bringt, die Forschung mit Hoffnung und Lösungsansätzen verbindet, manchmal im wörtlichen, manchmal im übertragenen Sinn.
Es wurde nicht nur über Brücken zwischen Wissen und Wandel gesprochen. Es wurden ziemlich viele davon gleichzeitig gebaut – und von erstaunlich vielen Besucher*innen beschritten.
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